Mittwoch, 29. April 2026

Im Sommer der Wildbienen von Nina Mayen

"Im Sommer der Wildbienen" von Nina Mayen, Hörbuch gesprochen von Vanessa Bolder, erschienen im Hörbuch Hamburg Verlag im April 2026

Nina Mayen hat mit "Im Sommer der Wildbienen" 
einen Frühling gezaubert, der nach Aufbruch und frischer Erde riecht.
Es ist ein Roman über die leisen Töne des Lebens, die erst hörbar werden, wenn der Lärm der Stadt verstummt.

Erschöpft vom Tempo der Großstadt sucht Flora Zuflucht im alten Haus ihrer Oma. Zwischen staubigen Dachbodenfunden und einem Garten, der seine besten Zeiten hinter sich hat, will sie eigentlich nur zu sich selbst finden. Hilfe erhält sie dabei von August, einem alten Freund ihrer Großmutter, der ihr mit Engelsgeduld beibringt, wie man den bedrohten Wildbienen ein Zuhause schafft. August hat einen Kummer, der im Laufe der Geschichte noch zum Tragen kommt.

Die leisen Töne machen diese Geschichte zu etwas ganz besonderes.

Sprecherin Vanessa Bolder hat mir sehr gut gefallen. Sie hat das zarte Knistern zwischen den beiden Frauen gut erzählt.
Vanessa Bolder liest mit einer feinen Sinnlichkeit. Die Pausen, das zögerliche Lachen, die wachsende Vertrautheit – ich habe das Herzklopfen durch die Kopfhörer gespürt.

Die Liebesgeschichte zwischen Flora und Eden ist wunderschön unaufgeregt und tief in der Naturverbundenheit der Handlung verwurzelt.

Nina Mayen verbindet Fachwissen über Wildbienen geschickt mit der Handlung, dass die ökologische Botschaft ohne Aufdrängung daher kommt.

"Im Sommer der Wildbienen" ist hübscher ein Garten-Roman. Es ist eine Hymne an die Liebe in all ihren Farben und an den Mut, das Leben nach eigenen Regeln zu gestalten. Die Chemie zwischen Flora und Eden macht dieses Hörbuch zu einem angenehmen Erlebnis.

Es ist eine Atmosphäre über starke Frauencharaktere und eine Prise Naturschutz.



Alle lieben Dandelion, aber sie ist tot von Rosie Storey

"Alle lieben Dandelion, aber sie ist tot" von Rosie Storey, erschienen im April 2026 bei Der Audio Verlag, Hörbuch gesprochen von Nora Schulte und Julian Tennstedt, das gleichnamige Buch wurde übersetzt von Babette Schröder und ist bei der dtv Verlagsgesellschaft im April 2026 erschienen

Poppy trauert um ihre Schwester Dandelion. Vor einigen Monaten ist sie gestorben.
Als sie das Handy ihrer Schwester nutzt, wird sie auf Jake aufmerksam. Poppy trifft sich mit ihm und gibt sich als Dandelion aus. Aus der Täuschung entstehen echte Gefühle und Poppy muss sich fragen, was ihr diese Liebe wert ist.

Verlust, Trauer und ein Neuanfang bestimmen die Geschichte. 
Es ist eigentlich eine ziemlich düstere Prämisse: Poppy verliert sich selbst, während sie versucht, das zu lieben, was eigentlich ihrer toten Schwester gehörte.

Die Sprecherin Nora Schulte gibt Poppy eine zerbrechliche Stärke, sie macht den Schmerz greifbar.
 Sie schafft es hervorragend, die Melancholie hinter der vermeintlichen Perfektion zu transportieren. Die Trauer gibt sie beeindruckend zur Geltung. Ich habe die Gefühle deutlich gespürt. Es war ein angenehmes Zuhören.
Der Sprecher Julian Tennstedt übernimmt den Part von Jake. Auch ihm habe ich gerne zu gehört. Die beiden Stimmen spiegeln die Zerrissenheit der Charaktere perfekt wider. Sie sprechen nicht zusammen, sondern jeder hat ein ganzes Kapitel.

Das Hörbuch ist unterhaltsam, hat mich auch nachdenklich gestimmt. Es ist kein leichter Roman für einen gemütlichen Abend, sondern etwas, was sich nicht einfach so hören lässt. Ich würde es als psychologischen Liebesroman für Frauen bezeichnen mit Hang zur Dramatik.

Was Poppy macht, ist vielleicht nicht nachzuvollziehen, dennoch hat sie meine Sympathie gewonnen. Ihre Trauer hat mich melancholisch gestimmt und mich aufmerksam zuhören lassen.




Fast Abend immer noch hell von Linea Maja Ernst

"Fast Abend, immer noch hell" von Linea Maja Ernst, übersetzt aus dem Dänischen von Ursel Allenstein, erschienen im S. Fischer Verlag im April 2026

Die Geschichte spielt während der magischen, dänischen Mittsommertage. Eine Gruppe von Freunden – ehemals unzertrennlich während des Studiums – versammelt sich in einem abgelegenen Sommerhaus an der Küste Seelands.

Was als nostalgisches Wochenende geplant war, entwickelt sich schnell zu einer emotionalen Bestandsaufnahme. Während sie baden, zu viel Wein trinken und die lauen Nächte genießen, kommen alte Spannungen und neue Lebensentwürfe ans Licht.

Linea Maja Ernst hat ein Kammerspiel unter freiem Himmel gezaubert. Die Emotionen sind so zart, wie das Dämmerlicht der dänischen Nacht.
Es hat mich geflashed, tief hinein gezogen und nicht mehr los gelassen. Die Geschichte geht offen mit der Liebe um, was mir ein bisschen zu viel war. Da es zum Gesamtpaket passt, ist das für mich keine Schwäche.

Die Autorin schreibt gefühlvoll, gleichzeitig ernst und mit einer Traurigkeit. Ich habe mich zwischen den Seiten verloren und beim blättern wieder gefunden.
Die Emotionen kochen über, bleiben aber auch teilweise leise im Raum stehen.

Es ist die perfekte Urlaubslektüre, leicht genug für den Strand, aber ein bisschen schwer, um es ohne Nachklang zu beenden.

 



Wandas Wunder ‒ Der Sommer der flüsternden Wände von Valija Zinck

"Wandas Wunder ‒ Der Sommer der flüsternden Wände" von Valija Zinck, erschienen im Fischer Sauerländer Verlag im April 2026

Kinderroman ab 10 Jahren voller Magie, verrückter Erfindungen und Ferienabenteuer, es hat mir viel Freude gemacht.

Eigentlich sollte die elfjährige Wanda Ferien bei ihrem Onkel Henry in Torfheim machen. Doch als sie am Bahnhof ankommt, holt sie kein Onkel ab.
Mama ist auf Forschungsreise und Papa bei seiner neuen Freundin, wen soll sie anrufen?
Zum Glück kommt Oma und holt Wanda ab, denn Onkel Henry ist verschwunden.

Torfheim macht seinem Namen alle Ehre, es ist neblig, feucht und anfangs furchtbar öde. Doch Wanda hat in Zug Aylin kennengelernt, sie wohnt im Nachbardorf und ist schön quirlig. Da ist der Sommer dann bestimmt nicht langweilig.

In der alten Mühle, die unweit davon am Moorrand steht, macht Wanda eine unglaubliche Entdeckung. Sie hört die Wände wispern und sie kann in die Wand eintauchen. Das Abenteuer beginnt und ich hatte eine spannende Zeit, beim beobachten der Aktivitäten.

Valija Zincks Schreibstil macht das Buch zu einer besonders intensiven Leseerfahrung. Sie schreibt lebendig und schön unterhaltsam. Junge Leser werden Spaß haben.

Es ist ein fesselndes Abenteuer über das Zuhören und Entdecken. Mir als Erwachsene hat diese Geschichte wunderbar gefallen.




Montag, 27. April 2026

Mordseeparty von Emmi Johannsen

"Mordseeparty" von Emmi Johannsen, erschienen im Bastei Lübbe Verlag im April 2026

Mittlerweile ist es Band 7 der Cosy Crime Reihe über die Insel Borkum und dem Selfmade Ermittlerduo Caro und Jan.

Wie ich es aus dieser Reihe gewohnt bin, ist der Einstieg hervorragend gewesen. Besonders die Erzählperspektive des Mörders sorgte direkt zu Beginn für das nötige Tempo und hat mich sofort in in die Geschichte hinein gezogen. 

Ein Toter zwischen Robben sorgt für ordentlich Wirbel am Strand und bildet den Auftakt für eine verzwickte Ermittlung.
Das Opfer war alles andere als beliebt, was die Ermittlungen spannend gemacht hat. Motive gibt es wie Sand am Meer, und ich habe bis zum Schluss mit gerätselt, wer letztlich hinter der Tat steckt.

Es ist mir jedes Mal eine Freude, Caro und Jan bei der Arbeit zuzusehen. Dass Kommissar Bachmann „not amused“ über die Einmischung der beiden ist, gehört fast schon zum guten Ton – aber Caro lässt sich von so etwas natürlich nicht aufhalten.

Ich lese die Reihe unglaublich gerne, aber diesmal war meine Hauptfrage: Finden Caro und Jan endlich zusammen? Es wird nach all der Zeit wirklich dringend Zeit für ein Happy End zwischen den beiden.

Wer maritime Krimis mit einer sympathischen Prise Neugier und einer Prise Romantik mag, kommt an „Mordseeparty“ nicht vorbei. Eine klare Leseempfehlung für Fans der Reihe und alle, die es werden wollen. Die vorherigen Teile müssen nicht zwingend gelesen werden, um der Handlung folgen zu können. Dennoch empfehle ich, alle Bände zu lesen.


Das Cover mit der Möwe ist wieder hübsch und das Tier muss drauf sein. Es hat einen Wiedererkennungseffekt.


Ins fahle Herz des Sommers von Andreas Eschbach

"Ins fahle Herz des Sommers" von Andreas Eschbach, erschienen bei Lübbe Audio im April 2026, gesprochen von Matthias Koeberlin

In diesem Roman von Andreas Eschbach dreht sich alles um die Zeichen des Klimawandels.
Es ist eine Geschichte über Isolation, körperliche Auszehrung und eine fatale Begegnung.

Mir wurde richtig warm beim Hören. Beim Joggen ist das Hörbuch weniger geeignet, da die Stimmung beklemmend und die Hitze zu spüren ist.
Es hat mir aber insgesamt gut gefallen, besonders der Sprecher Matthias Koeberlin. Mit seiner angenehmen Stimme gibt er der Geschichte die nötige Stimmung. Ich mag ihn sehr und höre ihm gerne zu.

Fausto lebt in einer Welt, die unter einer unerbittlichen, mörderischen Hitze erstarrt ist. Alles Leben hat sich in den Schatten oder die leichte Kühle der Häuser zurückgezogen. Die Außenwelt ist ein feindlicher Ort geworden. In dieser flirrenden Einöde trifft Fausto auf eine mysteriöse Frau. Ihr scheint die Hitze nichts auszumachen. Er verliebt sich und eine Beziehung beginnt, die unter keinem gutem Stern steht.

Es gibt wenig Raum für Nebenhandlungen. Alles konzentriert sich auf Faustos Wahrnehmung, den Schweiß, das Licht und die seltsame Dynamik zwischen ihm und der Unbekannten.

Die gekürzte Fassung tut der Geschichte meines Erachtens gut. Die psychologische Spannung bleibt erhalten, ohne dass die Handlungsarmut der glühenden Mittagshitze zu langatmig wirkt.

Ich empfehle es Hörern, die dystopische Erzählungen schätzen und Andreas Eschbachs Fähigkeit lieben, unbequeme Fragen über die menschliche Natur zu stellen.

Wer dieses Hörbuch hört, sollte eine Flasche Wasser griffbereit haben. 
„Ins fahle Herz des Sommers" ist so trocken und heiß, dass ich die Dehydrierung förmlich spüren konnte.





Donnerstag, 23. April 2026

Pause von Lena Kupke

"Pause" von Lena Kupke, erschienen in der dtv Verlagsgesellschaft im Mai 2026

In ihrem ersten Roman zeigt Lena Kupke, dass sie nicht nur Pointen setzen, sondern auch tiefgründige, verletzliche Geschichten erzählen kann.

Die 36-jährige Hanna steht ständig unter Strom. Eine heftige Panikattacke führt zum Kollaps und einem Krankenhausaufenthalt. Niemand aus ihrem Freundeskreis in Berlin (inklusive Freund Paul) findet die Zeit, sie abzuholen.

Was folgt, ist eine Rückkehr ins Haus der Eltern.
Lena Kupke beschreibt Hannas Zustand nach dem Zusammenbruch sehr präzise, die totale Erschöpfung und Orientierungslosigkeit.

Der Roman fängt perfekt das beklemmende Gefühl ein, als erwachsene Frau wieder „Tochter“ zu sein. Die Dynamik zwischen Hanna und ihren hilflosen, aber liebenden Eltern ist sowohl schmerzhaft als auch sehr wahrhaftig beschrieben.
Trotz der Schwere des Themas blitzt immer wieder Lena Kupkes typischer Witz auf. 
Das Buch fängt warmherzig den Wahnsinn ein, es hat mir super gut gefallen. Ich hatte was zu lachen, ein bisschen geweint, Hoffnung gewünscht, also ich hatte viele Emotionen beim lesen.

„Pause“ ist kein klassischer Wohlfühlroman, sondern ein wichtiges Buch über mentale Gesundheit und die Suche nach dem eigenen Kern. Manchmal ist ein Zusammenbruch der einzige Weg ist, um festgefahrene Muster zu durchbrechen.